Zwei Unternehmen, ein Markt, ein Boom: SK Hynix und Micron gehören zu den nur drei Herstellern weltweit, die High Bandwidth Memory (HBM) in Serie fertigen können — jenen Speichertyp, ohne den kein moderner AI-Beschleuniger auskommt. Beide profitieren vom selben Nachfrageschub, doch die Bilanzen der Geschäftsjahre 2021 bis 2025 erzählen zwei sehr unterschiedliche Geschichten. Ein Blick auf die Kennzahlen macht die Ausgangslage deutlich:

Semiconductors — Memory

RevenueOperating IncomeP/EEV/EBITDAP/FCFEBIT MarginFCF MarginROICDebt/EBITDA
SK Hynix000660 · KRX55.084 Mio. $26.767 Mio. $10,47 x6,80 x17,39 x48,59 %26,61 %41,59 %0,35 x
MicronMU · NASDAQ32.723 Mio. $8.553 Mio. $16,07 x7,83 x82,06 x26,14 %4,46 %15,67 %0,84 x

Entwicklung im Zeitverlauf

SK HynixMicron
Revenue 10k20k30k40k50k60k 2021 2022 2023 2024 2025 EBIT Margin −40%−20%0%20%40%60% 2021 2022 2023 2024 2025 FCF Margin −40%−20%0%20%40% 2021 2022 2023 2024 2025 ROIC −20%0%20%40%60% 2021 2022 2023 2024 2025

Das Muster ist auf den ersten Blick paradox: In der Tabelle stehen fast alle grünen Felder auf einer Seite — und ausgerechnet dieser Titel ist auf Gewinnbasis der günstigere. Die Charts zeigen zudem, dass die Schere erst nach dem gemeinsamen Einbruch 2023 aufging. Warum das so ist, und ob es so bleibt, ist die Kernfrage dieses Vergleichs.

SK Hynix dominiert Micron in praktisch jeder operativen Disziplin — und handelt auf Gewinnbasis trotzdem mit Abschlag. Die Erklärung liegt nicht in der Bilanz, sondern im Produktmix: Hynix ist der primäre Profiteur des HBM-Booms, und der Markt fragt sich, wie lange dieser Vorsprung trägt.

Der Memory-Zyklus als Grundrauschen

Der Zeitraum 2021–2025 zeigt das Kerncharakteristikum der DRAM/NAND-Branche in Reinform: extremen Operating Leverage in beide Richtungen. 2023 kollabierten die Speicherpreise, beide Häuser rutschten tief ins Minus — Gross Margins von −1,63 % (SK Hynix) bzw. −9,11 % (Micron), EBIT Margins von −23,59 % und −36,97 %. Wer Memory-Titel bewertet, bewertet immer auch die Position im Zyklus. Die Erholung verlief jedoch asymmetrisch, und genau diese Asymmetrie trägt den Vergleich.

HBM macht den Unterschied

Unternehmen Gross Margins EBIT Margins Free Cash Flow
000660 (SK Hynix) 60,41 % 48,59 % 26,61 %
MU (Micron) 39,79 % 26,14 % 4,46 %

Eine Gross Margin von 60 % ist für einen Commodity-Speicherhersteller historisch beispiellos — sie ist das Resultat von Pricing Power im High-Bandwidth-Memory-Segment, dem Engpass-Baustein jedes AI-Beschleunigers. Hynix hat sich rund zwei Drittel der Aufträge für Nvidias HBM4-Speicher der nächsten Generation gesichert und führte den HBM-Markt Ende 2025 mit knapp 57 % an, während Micron seinen Anteil binnen eines Jahres von 9 % auf 21 % steigerte. Der Margen-Spread ist also kein Effizienzproblem Microns, sondern ein Mix-Problem: Wer mehr HBM verkauft, verdient strukturell mehr pro Bit. Das schlug 2025 historisch durch — Hynix überholte Samsung erstmals beim Operating Profit.

Microns Cashflow: Investitionsphase, nicht Schwäche

Die FCF Margin von 4,46 % und der P/FCF von 82x wirken alarmierend — sind aber primär Capex-Intensity. Micron baut HBM-Kapazität und US-Fabs im Eiltempo aus, um den Rückstand aufzuholen; im Dezember 2025 kündigte das Unternehmen sogar den Ausstieg aus dem Consumer-Geschäft an, um sich auf AI-Datacenter-Kunden zu konzentrieren. Der operative Turnaround ist real (FCF Margin 2024: 0,48 % → 2025: 4,46 %), aber der freie Cashflow bleibt vorerst der Investition geopfert. Hynix investiert ebenfalls massiv — rund 29 Mrd. $ Capex sind für 2026 geplant —, generiert daneben aber trotzdem 26,61 % FCF Margin. Das ist der Unterschied zwischen Ausbau aus Stärke und Ausbau zum Aufholen.

Bewertung: Abschlag trotz Dominanz

Auf Ertragsbasis ist der Marktführer der günstigere Titel: P/E 10,47x gegen 16,07x, EV/EBITDA 6,80x gegen 7,83x, FCF Yield 5,75 % gegen 1,22 %. Nur P/S (4,63x) und P/B (3,72x) liegen über Micron — konsequent, wenn jeder Umsatzdollar doppelt so profitabel ist. Der Abschlag beim P/E ist das klassische Memory-Muster: Der Markt diskontiert, dass Peak-Margen im Speicherzyklus nie von Dauer waren. Zwei Gegenargumente verdienen Beachtung: Erstens ist HBM kein Spotmarkt-Commodity, sondern läuft über langfristige, kundenspezifische Verträge — die Kapazität aller drei Hersteller ist für 2026 bereits ausverkauft. Zweitens hat das Re-Rating längst begonnen: Hynix' P/B stieg von 1,45x (2021) auf 3,72x, ein Fünfjahreshoch. Das Risiko: Bei kumuliert über 54 Mrd. $ Capex allein der beiden Rivalen bleibt die Gefahr eines späteren Überangebots bestehen — das wäre 2023 in neuer Auflage.

Investment-These je Titel

SK Hynix: Dafür sprechen HBM-Führerschaft mit Nvidia als Ankerkunde, ROIC von 41,59 %, entschuldete Bilanz (Debt/EBITDA 0,35x) und ein moderates Ertrags-Multiple. Dagegen: Die Bewertung ruht auf Zyklusgipfel-Margen, und die Konzentration auf wenige AI-Großkunden ist ein Klumpenrisiko.

Micron: Dafür sprechen der dynamische HBM-Marktanteilsgewinn, der Rückenwind der US-Onshoring-Politik als einziger amerikanischer Hersteller und Aufholpotenzial bei den Margen. Dagegen: schwache Cash Conversion in der Investitionsphase, ein P/FCF von 82x und die Abhängigkeit davon, dass die HBM4-Qualifizierung bei Nvidia gelingt.

Einordnung

Zwei methodische Fußnoten: Microns Fiskaljahr endet Ende August, Hynix bilanziert kalenderjährlich in KRW — die Jahresvergleiche sind zeitlich versetzt und tragen Währungseffekte. An der Kernaussage ändert das nichts: Der Markt bepreist bei SK Hynix nicht die Gegenwart, sondern die Halbwertszeit des HBM-Vorsprungs. Ob 2025 einen Zyklusgipfel oder — dank vertraglich gebundener AI-Nachfrage — ein neues Margenplateau markiert, ist die eigentliche Frage dieses Vergleichs.

Keine Anlageberatung. Datenbasis: FY 2021–2025, StockAnalysis.com; Marktkontext Stand Mitte 2026.